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Der erste Kuss
Der erste Kuß (gereimt)
Striche im Gesicht
Der Besteckkasten
Die Schulzulassungsprüfung
Noch eine Biergeschichte
Der Rechenkönig
Das Frühstück
Märchenstunde mit einem 4 Jahre alten Enkel
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Der Schuhklappschrank
Schneesturm auf dem Bahnhof
Die süssen Zwetschen
Geschirrabwaschen in der Küche

Der Besteckkasten

Weimar, den 28. 3. 2001
Nach dem Klavierunterricht in der Musikschule Erfurt bürgerte es sich ein, dass Annsophie an jedem Freitagabend zu den Großeltern nach Weimar kam. Wir waren froh wöchentlich Besuch von Tochter und Enkeltochter zu bekommen. Die Beweggründe für den Besuch bei den Großeltern sind für mich noch ein Rätsel. Natürlich steht jeden Freitag 18 Uhr ihr Lieblingsessen auf dem Tisch: Fischstäbchen mit Kartoffelbrei und Gurkensalat, dazu Saft mit Trinkstäbchen. Überrascht war ich, dass sie nach dem Essen den Tisch abräumte und bat, das Geschirr abwaschen zu dürfen. Natürlich kam ich freudig ihrem Wunsch nach und lieiß ihr Fit-Wasser in das Abwaschbecken. Sie machte sich über den Abwasch her, während wir mit der Tochter am Tisch sitzen blieben und uns über die nun vergangenen Arbeitswoche unterhielten. Nach einiger Zeit kam «unsere Küchenhilfe» zu uns ins Zimmer und berichtete , dass der Abwasch fertig sei. Sie blieb neben mir stehen, sah mich streng an und meinte: «Oma, dein Besteckkasten ist ganz und gar unordentlich. Die Fächer sind voller Krümel, die Löffel liegen nicht richtig, die Teelöffel liegen verkehrt herum.» Sie nahm alle Bestecke heraus, ordnete sie nach Größe in die Fächer neu ein freute sich über ihr Werk.. Ich ließ sie gewähren, den Tadel steckte ich mit Würde weg.

Nun überlegte ich mir, dass ich eine ähnliche Situation je schon einmal erlebt habe. - Ja, als Sarah aus Jena noch nicht in die Schule ging, aber schon 6 Jahre alt war, hatte sie mein Besteckfach in der Küche genau zu interessiert. Auch sie ordnete alles neu ein und kritisierte mich wegen meines schlampigen Besteckkastens. Das war vor 6 Jahren, jetzt mit 12 beachtet sie meine Küche mit keinem Blick mehr.

Was soll ich aus diesem Vorkommnis für eine Lehre ziehen? Bin ich wirklich so liederlich oder ist es das Alter der Kinder, die den Kindergarten hinter sich hatten und nun ein anderes Betätigungsfeld suchten -- Nämlich einrodnen und zuordnen von Gegenständen in ein vorgegebenes System? Vielleicht mache ich mir nur zu viele Gedanken -- Hauptsache sie helfen der Oma in der Küche beim Geschirrspülen und Einräumen.