Wie kommt der Schreiber dieser Zeilen ins Bild? Sollte er nicht schon gramgebeugt und fleißig im Bitbergwerk sitzen? Heute ist Workshop bei Otto angesagt. Otto war das Versandhaus, was nicht pleite geworden ist, vielleicht weil es hanseantisch geführt oder die Zeichen der Zeit erkannt hat. Jedenfalls geht es heute um ein neuartiges Shopsystem, an dem der Horenschreiber die Ehre hat mitzuwirken.
Zu Zeiten des Forschungszentrums für Bodenfruchtbarkeit an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften gab es auch schon diese Teammeetings. Damals hießen die noch „ZDB“ (=zentrale Dienstberatung) und liefen ohne horizontale Kommunikation statt. Man begab sich also in der Bereitstellungsraum, wurde dann aufgerufen und und saß dann auf dem heißen Stuhl und rapportierte. Das ist nun 30 Jahre her und auch die Meetingskultur hat sich stark gewandelt.
Also wer es nicht kennt: da sitzen dann die ganzen Spezialisten an einem großen Tisch, jeder hat seinen silbernen Schößling mit und auch aufgeklappt. Beamer läuft. Da nun jeder Firefox und Skype offen hat, bekommt solch ein Workhop eine völlig neue Dynamik. Fällt also ein bis dahin unbekanntes Wort – in solchen Besprechungen kommt das öfters vor – dann wird gleich gegurgelt odergewikiet. Schwupps: schon kann ein schlauer Einwurf gemacht werden.

Ansonsten trottet das Leben so dahin. Gestern war wieder einmal Unternehmerfrühstück, bei dem von einer Konferenz systemischer Unternehemsberater berichtet wurde. Angeblich einzigartig war der Gedanke der flachen Hierarchien („offene Türen für alle“). Manch Unternehmer fühle sich wie eine Maus, die auf einem Elefanten hoch und den Koloss dirigieren soll. Putzigerweise kommt jeder und besonders jede mit der Erkenntnis der flachen Hierarchien und der Mitabeitermotivation daher. Das soll einzigartig sein. Überraschend wäre die Forderung nach klaren Vorgaben, Verantwortlichkeiten und eben doch Hierarchien. Es bleibt dabei: Amboss und Hammer. Es sind eben doch verschiedene Positionen und auch das netteste Motivationswochenende am Timmendorfer Strand kann es nicht verbergen: die Einen wollen eine ruhige Kugel schieben und die andere Seite sehen diese Kegler als Kostenstellen auf Beinen. Die persönlichen Interessen und Motivationen so umzulenken, dass der Benefit (netteres Wort als „Profit“) maximiert wird, ist schon eine schweißtreibende Aufgabe. Wenig Geld reicht da nicht nur – auch nicht mehr Geld, aber das will niemand investieren. Jeder Coach weiß das. Gut hat es ein Chef, wenn das Opfer ADS hat, dann braucht er nur hie und da mal authentisch Lob spenden und der Adressat setzt sich sofort wieder brav an seinen Schreibtisch. Ja, früher war alles. Da konnte Arbeit recht einfach bewertet werden. Da konnte der Patron einfach die Anzahl der Belege zählen, die der Kontorsangestellte abgestempelt hat oder die Fische zählen, die in einer Altonaer Fischfabrik filetiert wurden.


Der Frühling kommt jetzt auch über die zentralen Hundeabkackstellen. Die ganzen Wochen war das Gras mit Schnee bedeckt, die Köter verrichteten ihre Notdurft und so ist die ganze Scheiße wunderbar konserviert. Jetzt tritt es kumulativ zu Tage. Auf obiger Wiese war fast keine trittsichere Stelle mehr.
Für Fussballfans total spannend – für Balllustverweigerer gelichgültig: gestern hat der HSV gegen Schalke gespielt. Ganz Finkenwerder trottete zum Dampfer-Anleger. Auch Sachsen aus Dresden waren darunter. Neben dem Dampfer-Imbiss hat sich ein Newcomer platziert, der neben dem Klassiker Bier auch noddeutsche Schmankerl wie Bismarckherings- und Aalbrötchen anbietet. „He, bleibt ihr länger hier?“ – „Jo“ – Passt mal auf die Bude auf, muss mal auffüllen“. Als er wiederkam: „Hab mir mal derweil nen Jägermeister gegriffen.“ – „Geht schon klar.“ – „Wenn nachhert die Fans aus Hamburg zurückkommen, was ist da los hier Alda?“ – „Wenn der HSV verlieren sollte, muss ich noch drei Kästen Bier nachholen, dann brennt die Luft.“ – „Na und?“ – „Ist idiotischerweise gut fürs Geschäft.“

Nun hat der Sportverein mit dem internationalen Fruchtbarkeitssymbol im Logo unentschieden gespielt, das ist wahrscheinlich die geschäftsschädigende Variante für die Kneiper.

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